GW 5058, u5v

Textkorpus der 'Narrenschiffe'


Das Textkorpus des Narragonien-Projekts umfasst zehn Ausgaben und Bearbeitungen des 'Narrenschiffs', die vor 1500 gedruckt wurden und die Grundlage für die europäische Rezeption bis ins 17. Jahrhundert bildeten.

Alle Druckausgaben sind als Faksimile, Transkription und Lesetext (bis auf GW5054 und GW5062) in der Synopse anzeigbar und stehen als XML-Dateien zum Download bereit. Zu momentan fünf 'Narrenschiffen' haben wir zudem behutsam normalisierte Lesetexte erstellt. Das Textkorpus umfasst die folgenden Ausgaben (nähere Information finden Sie jeweils unter "Beschreibung"):


GW 5051, a4v

1. Basel (Bergmann von Olpe) 11.2.1494 (GW 5041; editio princeps)


2. Basel (Bergmann von Olpe) 3.3.1495 (GW 5046; editio altera)


3. Basel (Bergmann von Olpe) 12.2.1499 (GW 5047; editio tertia)


Brants "Originalausgabe", erstmals gedruckt am 11.2.1494 in Basel, war Ausgangspunkt der Blüte der 'Narrenschiff'-Überlieferung und -Rezeption bis weit ins 17. Jahrhundert (siehe Übersicht). Das Narrenbuch, das bis 1567 insg. 12 Ausgaben erfuhr, wird in seinen ersten drei Basler Ausgaben (jeweils Faksimile, Transkription und Lesefassung in der Synopse) verfügbar gemacht. Der Lesetext in der Einzeltextanzeige basiert auf der bislang unedierten, korrigierten und ergänzten Zweitausgabe (s. Beschreibung).
GW 5042, a4v

4. Nürnberg (Peter Wagner) 1.7.1494 (GW 5042; editio unica)


Wenige Monate nach der Basler Erstausgabe, am 1.7.1494, brachte die Nürnberger Offizin von Peter Wagner einen Nachdruck heraus, der den alemannischen Sprachstand des Basler 'Narrenschiffs' an die dialektalen Gegebenheiten in Nürnberg anpasst und verkleinerte Reproduktionen der Holzschnitte (von eher trauriger Qualität) bietet. Weitere unautorisierte Nachdrucke, die am "Erfolg" des Basler Narrenbuchs teilhaben wollten, kamen noch im Jahr 1494 in Augsburg und Reutlingen heraus. Das Nürnberger 'Narrenschiff' ist bislang unediert.
GW 5048, a5r

5. Straßburg (J. Grüninger) 1494, vor 23.5.1495 (GW 5048; editio princeps)


Wohl Ende 1494 / Anfang 1495 publizierte der Straßburger Drucker Johannes Grüninger die sog. "interpolierte" Fassung des 'Narrenschiffs', die den Basler Textbestand eigenständig um über 3.000 Verse erweitert, aber weiterhin unter Brants Namen firmiert. Verfügbar gemacht wird die Erstausgabe, die mehrere teilweise veränderte Auflagen erfuhr (s. Traditio Narragonica). Das Straßburger 'Narrenschiff' ist bislang unediert.
GW 5061, b3r

6. Basel (Bergmann von Olpe) 1.3.1497 (GW 5054; editio princeps)


7. Basel (Bergmann von Olpe) 1.8.1497 (GW 5061; editio altera)


8. Basel (Bergmann von Olpe) 1.3.1498 (GW 5062; editio tertia)


Die 'Stultifera navis' ist die lateinische Bearbeitung des 'Narrenschiffs', die Brants Schüler Jakob Locher mit den Originalholzschnitten bei Bergmann von Olpe am 1.3.1497 erstmals drucken ließ. Sie erfuhr bis 1572 insg. 11 Auflagen und war Vorlage u.a. für die französischen und englischen 'Narrenschiffe'. Die ersten drei Basler Ausgaben werden als Faksimile und Transkription präsentiert, die zweite (von Brant redigierte) Ausgabe GW5061 ist in der Synopse zudem in einer Lesefassung anzeigbar. Die 'Stultifera navis' liegt bislang nur in der kommentierten, zweisprachigen Teilausgabe (Paratexte, 64 von 114 Kapiteln) durch Hartl 2001 vor. Eine vollständige Neuausgabe mit Übersetzung und Kommentar ist in Planung.
GW 5058, b1r

9. Paris (J. Lambert für Geoffrey de Marnef) 1497 (GW 5058)


Die Reihe der französischen 'Narrenschiffe' (s. Traditio Narragonica) eröffnet Pierre Riviére mit seiner Versbearbeitung 'Nef des folz du monde' von 1497, die für die breite 'Narrenschiff'-Rezeption in Frankreich steht. Sie entstand sehr bald nach Erscheinen der 'Stultifera navis' und fußt auf deren Erstausgabe (Basel 1.3.1497, GW5054). Eine zweite Bearbeitung, die der Übertragung Rivières folgt, wurde von Jean Drouyn in Prosa verfasst und von G. Balsarin in Lyon 1498 und 1499 gedruckt. In Paris wurde zudem 1499 von Geoffroy de Marnef eine anonyme Prosabearbeitung gedruckt und bis 1583 mehrmals aufgelegt. Rivière behält die gebundene Rede der Vorlage bei, die übrigen frz. Ausgaben sind in Prosa verfasst (und damit singulär in der Überlieferungsgeschichte des ‚Narrenschiffs‘).
GW 5053, b1r

10. Lübeck (Mohnkopfdruckerei) 1497 (GW 5053)


In der Mohnkopfdruckerei in Lübeck wurde 1497 eine niederdeutsche Bearbeitung des 'Narrenschiffs' gedruckt, die Text und Bild des alemannischen Narrenbuchs für niederdeutsche Leserkreise aufbereitet und sich damit gut in das Verlagsprogramm der Offizin einreiht. Sie basiert sowohl auf dem Nürnberger Narrenschiff (GW 5042) als auch auf der Straßburger Interpolation (GW 5048). Das niederdeutsche 'Narrenschiff' ist bisher unediert.