Die digitale Präsentation der 'Narrenschiffe'


Die Textpräsentation erschließt das 'Narrenschiff' Sebastian Brants und bedeutende europäische Ausgaben und Bearbeitungen vor 1500 im digitalen Medium - in Ergänzung zu bisherigen Print-Editionen, teilweise sogar erstmals überhaupt (siehe das Textkorpus ). Ziel ist eine überlieferungsnahe Erschließung, die der spezifischen Medialität der 'Narrenschiff'-Drucke und der überlieferungsgeschichtlichen Dynamik dieses Schlüsseltextes der Frühen Neuzeit Rechnung trägt.


In der Synopse können alle 10 'Narrenschiff'-Ausgaben des Textkorpus ausgewählt und kapitelweise einander gegenübergestellt werden. So lässt sich etwa das 4. Kapitel aus Sebastian Brants 'Narrenschiff' in das eine und das 4. Kapitel von Jakob Lochers 'Stultifera navis' in das andere Fenster laden (siehe hier). Für jedes Fenster der Synopse lässt sich zudem eine Textansicht wählen (Digitalisat, Transskription, teilweise Lesefassung). Gegenüber der Ansicht "Lesetexte" will diese synoptische Textpräsentation den überlieferungsgeschichtlichen Vergleich verschiedener Ausgaben erleichtern.

Die Ansicht Lesetexte ermöglicht es, momentan fünf 'Narrenschiffe' als behutsam normalisierte Lesetexte anzuzeigen: mit aufgelösten Abbreviaturen und Sonderzeichen, ausgestattet mit Registereinträgen, Auflösung etwaiger Marginalnotate, Varianten der Überlieferung sowie mit einer PDF-Druckfassung (geplant für die finale Version). Als Leittext liegt dabei jeweils die Erstausgabe bzw., soweit vorhanden, die korrigierte Zweitausgabe zugrunde.
Das ausgaben- und sprachübergreifende Orts- und Personenregister umfasst Kurzbeschreibungen der Lemmata und Links zu den jeweiligen Belegen in den 'Narrenschiff'-Ausgaben. Man gelangt also schnell vom Text in das Register und vom Register in den Text.

In den lateinischen und in zwei der französischen Ausgaben verweisen Randnotate auf Belegstellen in der Bibel, in antiken Klassikern und in Rechtstexten. Im Register Belegstellen sind diese Marginalnotate aufgelöst und die Textpassagen als Volltext verlinkt.

Das Durchsuchen der 'Narrenschiff'-Texte ist in der Ansicht "Lesetexte" möglich. Darüber hinaus führt die Filterung nach Layoutzonen , die sich zunutze macht, dass alle (!) frühneuzeitlichen 'Narrenschiffe' die ursprüngliche Kapitelgliederung und das festgelegte Kapitellayout (mit Motto, Holzschnitt, Titel, Spruchgedicht) aufweisen. Mit der Filterrecherche lassen sich einzelne Layoutzonen in bestimmten Kapiteln auswählen und in mehreren 'Narrenschiffen' anzeigen (z.B. alle Holzschnitte zu Kap. 4 in deutschen und lateinischen Ausgaben).
'Narragonien digital' zielt darauf ab, die Erforschung der 'Narrenschiffe' im digitalen Medium zu ergänzen und weiterzuführen:

  1. Texterschließung: 'Narragonien digital' ergänzt die bisherigen Print-Editionen, die vor allem Brants Basler 'Narrenschiff' erschlossen haben (s. Rockenberger 2011), durch überlieferungsnahe digitale Textausgaben. Zudem werden mehrere 'Narrenschiff'-Bearbeitungen erstmals editorisch zugänglich gemacht (so das Nürnberger, das Straßburger und das Niederdeutsche 'Narrenschiff', der vollständige Text der 'Stultifera Navis' usw.).

  2. Verfügbarkeit: Die 'Narrenschiff'-Überlieferung des 15. Jahrhunderts ist mit ihren bedeutendsten Vertretern nunmehr an einem zentralen Ort im Internet versammelt und von jedem Internetarbeitsplatz aus als Faksimile, Transkription, Lesefassung / bzw. Lesetext zugänglich. Die teilweise entlegenen frühneuzeitliche Drucke werden digital verfügbar gemacht.

  3. Überlieferungsgeschichte: Die digitale Präsentation will dazu beitragen, die Überlieferung und das Fortwirken des 'Narrenschiffs' in der Frühen Neuzeit weiter zu erforschen: Die bedeutenden Ausgaben und Bearbeitungen des Narrenbuchs vor 1500 sind in einer Synopse kapitelweise gegenüberstellbar und werden durch ein übergreifendes Register und durch Such- und Filtermöglichkeiten erschlossen. Verwandte Ausgaben lassen sich mit wenigen Mausklicks gegenüberstellen, die Vorlagen mit ihren Übersetzungen vergleichen.

  4. Europäische Perspektive: 'Narragonien digital' will dazu beitragen, das 'Narrenschiff' als einen europäischen Schlüsseltext der Frühen Neuzeit zu begreifen und seine Überlieferungsgeschichte als ein nationalsprachenübergreifendes Phänomen im frühneuzeitlichen Europa zu verstehen. Zentren der Überlieferung sind u.a. der Oberrhein, Augsburg, Nürnberg und Lübeck, zudem Paris und Lyon sowie London.

  5. Weiterverwendung: 'Narragonien digital' will darüber hinaus der künftigen Forschung eine Textgrundlage geben. Alle digital erarbeiteten 'Narrenschiff'-Texte sind als XML/TEI-P5-Dateien zum Download verfügbar. Sie stehen unter der Creativ-Commons-Lizenz (CC BY-NC-SA), welche die Weiterverwendung für nichtkommerzielle Zwecke bei Nennung des Urhebers / Herausgebers und Weitergabe unter gleichen Bedingungen erlaubt. Die langfristigige Verfügbarkeit der Daten ist gesichert, da die TEI-Texte in große Texte-Repositories eingespeist werden.
  • Die Projektergebnisse von 'Narragonien digital' werden unter der Adresse http://www.narragonien-digital.de verfügbar gehalten und von den Herausgebern an der Univ. Würzburg betreut.
  • Die einzelnen Seiten sind über Permalinks aufrufbar (Menü: "Zitierlink").
  • Die Homepage wird am Zentrum für Philologie und Digitalität der Univ. Würzburg gehostet.
  • Zu den insg. sechs Lesetexten werden bis zur Veröffentlichung der finalen Version am 10.5.2021 mit dem Satzprogramm Tustep PDF-Dateien erstellt, die den professionell formatierten Ausdruck ermöglichen.
  • Die XML-Daten sind unter CC-Lizenz als Download verfügbar und werden in Datenrepositories (Zenodo, Github) eingespeist, wo sie langfristig verfügbar gehalten werden.